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Paketzusteller Armee der Unsichtbaren Pakete ausliefern ist ein Knochenjob und pro Stunde gibt es oft weniger als fünf Euro. Günter Wallraff hat erlebt, wie Fahrer ausgebeutet werden. © Thomas Rabsch Günter Wallraff (r) mit Kollege Andy Fischer Immer schneller, immer billiger – das Internet macht’s möglich. Handys, Kleidung, Laptops, Wein, Büroartikel, Bücher – es gibt nichts, was nicht preiswert und fast wie von selbst nach Hause kommt. Das Schleppen übernehmen andere: die Paketauslieferer. 250.000 bis 300.000 Menschen sind europaweit in der Branche beschäftigt. Kaum ein Wirtschaftszweig ist so rasant gewachsen wie die »KEP«, die »Kurier-, Express- und Paketdienste«. Die Umsätze sind in den letzten zehn Jahren um 30 Prozent nach oben geschnellt, heute jagen jährlich mehr als zwei Milliarden Pakete durch die Republik. Einschließlich der Rücksendungen, die wir als »kostenlose« Leistung ganz selbstverständlich in Anspruch nehmen, wenn uns die zugeschickte Ware nicht gefällt. Aber »kostenlos« ist auch diese Leistung nicht. Da zahlen andere drauf. Die Paketzusteller bleiben oft mit Stundenlöhnen von fünf und weniger Euro auf der Strecke. Doch ermöglicht hat das Preis- und Lohndumping der Gesetzgeber, der die Branche »zum Nutzen aller« dereguliert und privatisiert hat. Die Post wurde stückweise zerschlagen, die privaten Konzerne raufen sich um die Kundschaft. Wie sieht der Alltag in dieser Dienstleistungsbranche aus? Um das zu erfahren, habe ich als Paketauslieferer bei GLS Germany angeheuert, einer Tochter des europaweiten Konzerns General Logistic Systems mit Sitz in Amsterdam. Anzeige GLS ist einer der großen zehn Dienstleister in der Paketauslieferung. Der Konzern wirbt mit dem Spruch: »Egal, was du tust, ein unterstützendes Team trägt dich. Zusammen lassen wir Träume wahr werden. Ein Europa, eine Kraft, ein Erfolg. Lasst uns die Zukunft gestalten. G - L - S«. Er soll neben Hermes und trans-o-flex einer der schlimmsten sein, was die Arbeitsbedingungen für die Fahrer angeht. Doch auf das, was ich dann erlebt habe und was mir anhand von Zeugenaussagen und Dokumenten glaubhaft gemacht wurde, war ich nicht gefasst. Um es gleich vorwegzunehmen: Selbst bei GLS gibt es Fahrer und Subunternehmer, die einigermaßen zufrieden sind. Sie haben das Glück, auf der kleinen Zahl lukrativer Auslieferungstouren eingesetzt zu werden. Aber ich habe bei meinem Recherchen keine guten Touren kennengelernt. Keine einzige. Es ist fünf Uhr früh, als ich in dem riesigen Flachbau aus Beton am Förderband stehe. Hier, im Industriegebiet von Polch nahe Koblenz, beginnt an diesem Morgen meine erste Arbeitsetappe bei GLS. Andy Fischer, ein 28 Jahre alter Paketfahrer, lernt mich an. Es ist kalt und laut. Über das 80 Meter lange Band aus Metallwalzen rattern nicht nur Pakete, sondern auch Autofelgen, die verschickt werden, eine Sackkarre oder mal ein Bierkasten, dann schwillt der Lärm ohrenbetäubend an. Die Branche arbeitet mit Subunternehmern, so kann sie viele Risiken auslagern Von Polch aus, einem der 57 GLS-Paketdepots in Deutschland, werden bis zu 35.000 Pakete pro Tag befördert. Schon die ersten Minuten an jenem Morgen sind Hektik pur. Tausende Pakete rauschen an den 60 bis 70 Fahrern vorbei, jedes mit einer vierstelligen Nummer versehen, anhand derer die Fahrer die Pakete für ihre Tour erkennen, vom Band reißen und hinter sich aufstapeln. Suchen, erkennen, zupacken, ablegen, suchen, erkennen, immer so weiter, eine Stunde, zwei Stunden. Irgendwann habe ich mit Andy zusammen Pakete mit einem Gewicht von mehr als einer Tonne vom Band gehoben. Ich drücke mir die Hände ins Kreuz. Keine Pause. Die Rolltore gehen jetzt hoch, dahinter haben die Fahrer ihre Sprinter geparkt, die Ladeklappen stehen offen. Wir nehmen zum zweiten Mal die Pakete hoch, tragen sie raus, wuchten sie in den Laderaum, die richtige Reihenfolge ist wichtig für die Tour. Bei einem der Pakete komme ich ins Stolpern, es hat sicher an die zehn Kilo mehr als das zulässige Gewicht der 40-Kilo-Standardpakete, egal, rein mit dem Monstrum, jedes Zögern kostet Zeit. Es ist jetzt kurz vor acht, und wir müssen los, sofort, ohne auszuruhen, ohne Frühstück nach diesen fast drei Stunden Plackerei. Als wir endlich im Wagen sitzen und losfahren, atme ich zum ersten Mal tief durch, nehme einen Schluck aus meiner Wasserflasche. Doch Andy, der Fahrer, hält, kaum dass ich die Flasche abgesetzt habe, abrupt an. Unser erster Stopp ist erreicht. Die Straße heißt bedeutungsschwer Am alten Galgen. Andy springt aus dem Auto, rennt nach hinten zum Laderaum, reißt die Türen auf, packt sich ein Paket auf die Schulter, es wiegt mindestens 20 Kilo, nimmt ein kleineres zweites unter den Arm, er zeigt mir ein drittes, das ich mir auf die Schulter packe, ich schätze es auf 30 Kilo. Andy wirft die Türen zu, läuft los, ich renne hinter ihm her. An meinem ersten Arbeitstag bei GLS werden wir 230 Pakete ausliefern, 130-mal anhalten, an 130 verschiedenen Orten, die wir mit größtmöglichem Tempo anfahren, häufig über der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. Um 18 Uhr werden wir zurück im Depot sein, 20 Pakete, die wir von Kunden mitgenommen haben, müssen noch ausgeladen werden, Papierkram muss im Büro erledigt werden, um 19.30 Uhr sind wir zu Hause. 14 Stunden haben wir gearbeitet. Ich stieg eine Woche vor Weihnachten 2011 ins Paketgeschäft ein, Hochkonjunktur bei den Paketauslieferern. Ich hatte aus gutem Grund in dieser Zeit angefangen, ich wollte das Extrem kennenlernen. Ich dachte, auch wenn das eine Ausnahme ist, hier erfahre ich die Wahrheit über diese Branche. Dass es auch in anderen Zeiten nicht viel besser ist, sollte ich später noch erleben. Am Tag vor meinem Arbeitsbeginn mache ich mich in einen kleinen Ort in der Voreifel auf, dort wohnt Andy, der sich bereit erklärt hat, mich anzulernen. Man kann nicht einfach aus dem Stand alleine eine Tour übernehmen. Mein neuer Kollege stellt mir die Ausziehcouch in seiner kleinen Mansardenwohnung zur Verfügung, er kennt mich nicht, ich trage falsche Haare. So unterhalten wir uns von Gleich zu Gleich und gehen früh schlafen. Am nächsten Morgen stehen wir um vier Uhr auf. Nicht gerade meine Zeit. Aber wessen Zeit ist das schon.
http://www.zeit.de/2012/23/Wallraff-Paketzusteller/komplettansicht
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Europas Showdown Tomasz Konicz 24.05.2012 Wie das Spardiktat der Bundesregierung den Zerfall der Eurozone beschleunigt - und wieso auch Hollandes Gegenvorschläge keinen Ausweg aus der Krise liefern
Die Zeit der deutsch-französischen Harmonie, als Angela Merkel und Nicolas Sarkozy das Merkozy getaufte europäische Führungsduo bildeten, scheint fürs Erste vorbei. Der jüngste informelle EU-Gipfel war von einem regelrechten Schlagabtausch geprägt, bei dem die konträren Forderungen der Bundeskanzlerin und des neuen französischen Staatschefs François Hollande direkt aufeinanderprallten. Hollande forderte bei dem Treffen die Einführung von Eurobonds, mit denen die Zinslast der europäischen Krisenländer gesenkt werden könnte. Merkel lehnte dies ebenso strikt ab, da diese Maßnahme die Zinslast für Deutschland erhöhen würde.
Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt jedoch in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen. Hannah Arendt
Dieser "Schlagabtausch" bildet dabei nur einen Aspekt der zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen Paris und Berlin um den richtigen Kurs in der Eurokrise. Der neu gewählte französische Präsident, dem Merkels Intervention im französischen Wahlkampf noch in guter Erinnerung sein dürfte, fordert kreditfinanzierte Konjunkturmaßnahmen, um das Wirtschaftswachstum in der Eurozone zu stimulieren. Dies scheint auch dringend geboten, da immer mehr Länder in dem europäischen Währungsraum in die Rezession übergehen. Die Bundeskanzlerin verweist hingegen auf die hohen Schuldenberge, unter denen Teile der Eurozone stöhnen, und fordert die Beibehaltung der strengen Austeritätspolitik.
Der Druck auf Angela Merkel, ihre Blockadehaltung bei schuldenfinanzierten Konjunkturmaßnahmen aufzugeben, steigt dabei schon seit Wochen kontinuierlich an. Zuletzt wurde die Kanzlerin auf dem G8-Gipfel von Hollande und US-Präsident Obama in die Mangel genommen. Der US-Präsident rief Berlin auf, von der Sparpolitik abzurücken und eine Wachstumspolitik einzuleiten, um eine "globale Krise" zu verhindern. Die Allianz zwischen Obama und Hollande habe dazu geführt, dass Merkel auf dem G8-Gipfeltreffen in dieser Frage weitgehend isoliert war, meldete die Financial Times. Diese zunehmende Isolation Merkels thematisieren inzwischen auch deutsche Medien. In der "Zange zwischen Obama und Hollande" habe sich Merkel "zu nichts verpflichten zu lassen", was angesichts der "schwierigen Ausgangslage ... kein geringer Erfolg" sei, kommentierte etwa die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Der Frust über Merkels Halsstarrigkeit sitzt insbesondere im Weißen Haus tief, da Obama sich bereits im Wahlkampf befindet und die US-Regierung mittels umfassender Konjunkturimpulse und einer lockeren Geldpolitik bis zum Wahltag im November den kreditfinanzierten amerikanischen Aufschwung (Amerikas politischer Aufschwung) aufrechterhalten will - eine Eskalation der Eurokrise mitsamt globalen Verwerfungen könnte dieses kostspielige Kalkül ruinieren.
Die zunehmende Isolation Berlins, die auch in der Eurozone seit längerer Zeit voranschreitet, resultiert schlicht aus dem Scheitern des deutschen Spardiktats in Europa. Daran ändert auch die verbissene Realitätsverweigerung nichts, mit der ein Großteil der deutschen Öffentlichkeit sich dieser Einsicht verwehrt. Alle europäischen Krisenländer, die Sparmaßnahmen umsetzen, befinden sich auf dem selben Weg, auf den Griechenland von Berlin genötigt wurde. Hierbei wird eine ökonomische Todesspirale ausgelöst, bei der immer neue Kürzungsorgien zu einem Wirtschaftseinbruch führen, der die Steuereinnahmen einbrechen und die Sozialausgeben ansteigen lässt. Dadurch werden die Sparziele unterlaufen. Abermalige Sparprogramme läuten dann eine neue Runde der ökonomischen Kontraktion ein.
Der durch immer neue Austeritätsprogramme ausgelöste sozioökonomische Kollaps in Hellas wird bei Beibehaltung des deutschen Spardiktats auch Spanien, Portugal, Irland und Italien erfassen. Insbesondere auf der iberischen Halbinsel ist die Lage bereits ähnlich dramatisch wie in Hellas, sodass inzwischen Gerüchte über geheime Absprachen über Anleiheaufkäufe zwischen EZB und Madrid die Runde machen. Immer mehr europäische Volkswirtschaften, die vormals als stabil galten - wie etwa Tschechien, die Niederlande oder Dänemark - gehen ebenfalls in die Rezession über. Den griechischen Kollaps vor Augen bleibt den meisten Regierungen dieser Länder nichts anderes übrig, als gegen den maßgeblich von Berlin geformten Fiskalpakt zu opponieren.
Europas Showdown
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29.03.2012 - Der Fiskalvertrag greift tief in die Budgethoheit des Bundestages ein. Die Regierungen werden über die Parlamente gestellt. "Sie bauen ein Europa der Banken und Hedgefonds", hält Gregor Gysi der Kanzlerin und ihrem Finanzminister vor. Die Finanzmärkte müssen reguliert, Banken wieder reine Dienstleister für die Bürger und die Wirtschaft und Millionäre besteuert werden. http://www.youtube.com/watch?v=iuRvp0ctvek
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Die Reichen sind die wahren Sozialschmarotzer"
Reinhard Jellen 02.05.2012 Gespräch mit Kathrin Hartmann über Hartz IV, Super-Gentrifizierung und die Politik der Tafeln Die zunehmende Rücknahme der zivilisatorischen Elemente in der ausgereiften bürgerlichen Gesellschaft schildert Kathrin Hartmann in ihrem Buch Wir müssen leider draussen bleiben. Ein Gespräch mit der Autorin. Kathrin Hartmann. Foto: Stefanie Füssenich "Entsolidarisierung" Ihr Buch handelt einerseits von der umfassenden Dehumanisierung der Gesellschaft: Die Menschen müssen sich immer mehr den Erfordernissen der Wirtschaft unterordnen, werden also zunehmend auf den homo oeconomicus reduziert und der Großteil der Leute auf ihre ökonomische Teilfunktion als Arbeitskraft und also Profit-Quelle für das Wirtschaftswachstum degradiert. Fällt man aus diesem Prozess heraus, kommen nach kurzer Zeit massive soziale Ausschließungsmechanismen zum Tragen. Andererseits beschäftigen Sie sich mit der Durchsetzung des bürgerlichen Menschen- und Weltbildes in sämtliche gesellschaftliche Bereiche: Elitenbildung, den Neoliberalismus in der Politik, Gentrifizierung etcetera. Wie hängen diese beiden thematischen Komplexe zusammen? Kathrin Hartmann: Sie bedingen einander. Beides ist Ergebnis einer jahrelangen neoliberalen Politik, deren Opfer in irgendeiner Form wir alle sind. Sogar die Oberschicht, auch wenn sie dies nicht glauben mag. Inwiefern? Kathrin Hartmann: Der Neoliberalismus ist uns als Chance, als Gelegenheit für mehr Eigenverantwortung verkauft worden, stellt aber in Wahrheit eine Kampfansage dar: Die Menschen wurden zu Konkurrenten gemacht und in den Wettbewerb geschickt. In diesem Wettbewerb gibt es Gewinner und Verlierer. Und da gibt es glasklar ökonomische Verlierer, die neuen Armen und Langzeitarbeitslosen. Die Oberschicht wiederum leidet an Status-Panik. Auch unter den Reichen gibt es nämlich einen Wettbewerb um die Zugehörigkeit zu ihrem exklusiven Club. Also selbst unter denen, die materiell ausgesorgt haben, ist es keineswegs so, dass sie glücklich sind. Dazwischen gibt es die Mittelschicht, die zunehmend vom Abstieg bedroht ist und aus diesem Grund immer ängstlicher wird. Doch anstatt sich mit den Krisenopfern zu solidarisieren, tritt die Mittelschicht nach unten und orientiert sich nach oben. Dies aus der völlig irrigen Annahme, dass sie eher zur Elite gehört, von denen sie sehr viel mehr Geld und Besitz trennt als von der Unterschicht. Je kleiner die gesellschaftlichen Unterschiede, umso größer das Bedürfnis, sich nach unten abzugrenzen. Das ist natürlich fatal, denn damit unterstützt die Mittelschicht alle politische Entscheidungen, die ihr selbst schaden. Tatsächlich ist durch diesen Wettbewerb eine Entsolidarisierung entstanden, die durch die ganze Gesellschaft geht. "Super-Gentrifizierung" Wo zeigt sich diese Entwicklung besonders augenfällig? Kathrin Hartmann: Ein Beispiel ist etwa die Gentrifizierung. Das Wort ist zwar schon ziemlich abgenutzt, weil das in den Medien fast nur noch als Lifestyle-Krieg der Latte-Macchiatto-Trinker und Bugaboo-Mütter belächelt wird. Tatsächlich steckt dahinter eine von Wirtschaft und Politik betriebene Aufwertungsstrategie einzelner Stadtviertel: Die Kommunen haben kein Geld mehr für soziale Stadtgestaltung und setzen deswegen einfach darauf, dass sich die ökonomischen Aufwertungsprozesse ausweiten. Die nächste Stufe, die man zur Zeit in Berlin gut beobachten kann, ist nach der Gentrifizierung die Super-Gentrifizierung, in der die Mittelschicht von den richtig Reichen verdrängt wird, die dann in ihren Reichenenklaven mitten in der Innenstadt unter sich bleiben wollen. Die Armen werden aus den Vierteln vertrieben und es entsteht in der Stadt ein konsum- und investorenfreundliches Umfeld, an dem die Wirtschaftselite viel Geld verdient.
http://www.heise.de/tp/artikel/36/36823/1.html
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Der neue Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem ersten Besuch in Brüssel erklärt, die "Vereinigte Staaten von Europa" seien seine Zukunftsvision. Nationalstaaten sind ihm zu schwach. Gauck forderte bei seinem ersten Besuch als Bundespräsident in Brüssel eine weitere Zentralisierung der Macht im Brüsseler Moloch: Aus rationalen Gründen müssten die Staaten weitere Kompetenzen abtreten, auch in der Außenpolitik. Die Integration bis hin zu den "Vereinigten Staaten von Europa" nannte Gauck eine "Zukunftsvision". Doch bislang sei man in Europa noch nicht soweit, denn "der Mentalitätswandel geht sehr viel langsamer als die Entwicklung des Intellekts" voran. Nationalstaaten sind demzufolge bald überflüssig: "Als Europa sind wir stark, als Nationalstaaten nicht mehr stark genug", sagte Gauck nach einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Er sehe die gegenwärtigen Probleme der EU und des Euro nicht nur als Krise der Finanzen, sondern auch als Vertrauenskrise. Deshalb müsse man Populisten widersprechen, die meinten, Europa habe keine Zukunft, so Gauck - ohne freilich zu erwähnen, dass diese "Populisten" rein gar nichts gegen Europa haben, sondern lediglich gegen ein supranationale Ungestüm volksferner Eurokraten, die auch unter dem Namen EU bekannt ist. Hier sich bereits, auf welcher Seite der "Neue" steht. Falls tatsächlich jemand davon ausging, Joachim Gauck stünde auf der Seite des Volkes oder würde gar unsere Interessen vertreten, dem müsste spätestens bei Gaucks obigen Aussagen zu den "Vereinigten Staaten von Europa" ein Licht aufgehen.
http://de.ibtimes.com/articles/25560/20120418/gauck-nennt-vereinigte-staaten-von-europa-seine-zukunftsvision.htm
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Reparationen Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg Da das Thema u.a. bei den Ursachen des "17. Juni 1953" eine nicht unbedeutende Rolle spielt, dazu einige Informationen zur Kenntnis:
Vorab eine notwendige Definition des Begriffs "Reparationen": "Geld-, Sach- und Dienstleistungen, die dem Besiegten eines Krieges meist im Rahmen eines Friedensvertrages zur Wiedergutmachung der von den Siegerstaaten erlittenen Verluste und Schäden auferlegt werden" © 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG. Dazu gehören demnach nicht Plünderungen, Restriktionen, um eine erneute Rüstungsproduktion zu verhindern, absichtliche Zerstörungen, um die Wirtschaft des - immer noch - Feindes generell zu schädigen, Gebietsabtretungen etc. Ebenso sind Kriegsfolgelasten, wie innerstaatlicher "Lastenausgleich" und "Zahlungen an den erst 1948 gegründeten Staat Israel", keine Reperationen.
Mangels eines Friedenvertrages mit Deutschland, gibt es keine offizielle Aufstellung der durch Deutschland geleisteten Reperationen. Das heißt nicht, daß es keine Informationen gäbe. Vorsorglich: Der sog. 2+4-Vertrag "gilt" lediglich als Friedensvertrag. Sein Hauptmangel besteht darin, daß nur die 4 "großen" Sieger mit den deutschen Nachfolgestaaten an einen Tisch saßen und die Frage der Reparationen nicht geklärt wurde.
Da sich die Siegermächte bereits nach Kriegsende nicht über einen Modus der Reperationszahlungen des besiegten Deutschlands einigen konnten, kam es zur pragmatischen Abmachung zwischen den Alliierten, daß jede Besatzungsmacht seine Reparationen vorerst aus der von ihm jeweils besetzten Zone einzieht. Natürlich blieb die Reparationsschuld eine Schuld Gesamtdeutschlands.
Nun begann der "Kalte Krieg" und es kamen drei Dinge zusammen:
1. Die UdSSR hatte mit Abstand die höchsten personellen und materiellen Verluste im Weltkrieg. So wurden 1.710 Städte, 70.000 Dörfer, 32.000 Industriebetriebe und 65.000 Kilometer Eisenbahnstrecke zerstört. Im Ergebnis forderte sie nachvollziehbar auch die höchsten Reparationszahlungen aller Alliierten. 2. Die verhältnismäßig kleine SBZ hatte diesen großen Brocken alleine zu zahlen, so wurden aus der laufenden Produktion erhebliche Mengen abgezogen und zwischen 2.000 und 3.000 Betriebe demontiert und in die UdSSR verbracht. 3. Die wirtschaftlich ebenfalls am Boden liegende UdSSR konnte nicht auf diese Reparationszahlungen verzichten. Die westlichen Allierten konnten dagegen alsbald nach dem Krieg auf weitere Reparationszahlungen Deutschlands (also aus den drei Westzonen) praktisch verzichteten.
http://ddr-luftwaffe.blogspot.de/2008/06/reperation-deutschlands-nach-dem-2.html
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Inflation Kleingläubige EZB-Beamte 14.04.2012 · Ausgerechnet die Beschäftigten der EZB fordern Pensionen mit Inflationsschutz. Der Glaube an das Stabilitätsversprechen der Zentralbank scheint bei den eigenen Mitarbeitern zu bröckeln. Von Christian Siedenbiedel Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (51) © dpa Glaubt die EZB noch an stabiles Geld? D er Führung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt ist das Thema spürbar unangenehm. Denn die Mitarbeiter der Institution machen mit einem Vorstoß deutlich, dass sie am Erfolg der Bewältigung ihrer Kernaufgabe zweifeln: Für Geldwertstabilität zu sorgen. Die Personalvertretung der Notenbank fordert jetzt, die Pensionen der Mitarbeiter müssten gegen die Inflation geschützt werden. Sie verlangt damit einen Versicherung gegen das eigene Versagen. „Unglücklicherweise sind die Pensionen der EZB-Beschäftigten nicht gegen Inflation geschützt", sagte Carlos Bowles, ein Sprecher der Personalvertretung, der F.A.S. Die Altersvorsorge der EZB-Mitarbeiter sei über eine Art Pensionsfonds organisiert. „Deshalb sollte es normalerweise möglich sein, die Risiken über geeignete Finanzinstrumente abzusichern - etwa inflationsindexierte Anleihen." Solche geschützten Anleihen bringen zwar in der Regel etwas weniger Rendite als normale Anleihen. Aber selbst diesen Preis wären die EZB-Beschäftigten zu tragen bereit - so groß ist die Furcht der Eurohüter vor einem Geldwertverlust des Euro.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/inflation-kleinglaeubige-ezb-beamte-11717693.html
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Anonymous greift hunderte Webseiten in China an Anhänger des Online-Kollektivs Anonymous haben in größerem Umfang Webseiten in China angegriffen. Betroffen sind vor allem Angebote der Regierung und verschiedener Behörden. Hunderte Seiten wurden daraufhin von Defacments getroffen.
Bereits vor einigen Tagen begannen Nutzer damit, mögliche Ziele in einem Pastebin-Dokument zusammenzutragen. Diese wurden nun in einer größeren Welle attackiert. Mit der Aktion wollen die Beteiligten gegen die Politik der chinesischen Regierung protestieren, die die Menschen mit "unfairen Gesetzen und ungesunden Prozessen" drangsaliert.
"Liebe chinesische Regierung, du bist nicht unfehlbar", lautet die Botschaft auf den veränderten Webseiten, was auf die autoritäre Gestaltung des chinesischen Staates anspielt. "Heute sind deine Webseiten gehackt, morgen wird dein widerwärtiges Regime fallen."
Die Aktivisten hinterließen weiterhin eine Botschaft an die Menschen in China. Darin sicherte man ihnen Beistand zu. "Das Schweigen all der anderen Staaten treibt den Mangel an Demokratie und Gerechtigkeit in China auf die Spitze. Das ist untragbar."
Weiterhin werden Links zu Webseiten angeboten, auf denen darüber informiert wird, wie Zensur-Maßnahmen im Internet umgangen werden können. Hintergrund der Aktion dürfte die aktuelle Welle der Schließung von Webseiten sein, deren Inhalte nicht systemkonform waren. Darunter befanden sich auch zwei Social Networks, die bei chinesischen Nutzern recht beliebt waren.
http://winfuture.de/news,69009.html
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Mit allen Wassern ungewaschen Konrad Hartmann-Meister 10.03.2012
Kabarettist Joachim Gauck kandidiert als Bundespräsident
Der politische Kabarettist Joachim Gauck bewirbt sich derzeit für das höchste Staatsamt. Nachdem der talentierte Satiriker, der für sein Programm "Freiheit" euphorische Kritiken bekam, bereits Stasi-Chef Erich Mielke beerbte hatte, will er nun auch Erich Honecker nachfolgen, dessen Foto einst die ostdeutschen Amtsstuben zierte. Die neue Figur des vielseitigen Künstlers als "oberster Dienstherr" beweist einen feinsinnigen Humor, hatte doch Gauck früher ausgerechnet die Obrigkeit prinzipiell abgelehnt. In den zwei Jahrzehnten der deutschen Einheit glänzte der wandlungsfähige Gauck in kontrastreichen Rollen, die nun in einem Feuerwerk der guten Laune Revue passieren möchten.
"Der einsitzende Fastenprediger"
Joachim Gauck startete seine Bühnenkarriere in der DDR zunächst nicht als politischer Kabarettist, sondern als Comedian. In Rostock debütierte der Künstler, der sich heute insbesondere die "Freiheit" auf die Buchfahne schreibt, in der satirischen Rolle eines protestantischen Pfarrers. Mit dieser Figur bewies Gauck großen Sinn für Ironie, denn Freiheit hat im Christentum nun einmal keine nennenswerte Tradition. Im Gegenteil stützte das Christentum jahrhundertelang Leibeigenschaft, Sklavenwesen, Monarchie, Unterdrückung der Frau, Zensur, Wissenschaftsfeindlichkeit, religiöse und weltanschauliche Intoleranz und jegliche Unterordnung des Individuums gegenüber Mächtigen. Wer Gerechtigkeit im Diesseits suchte, wurde von gut betuchten Pfaffen auf das Jenseits vertröstet. Kleriker allerdings genossen stets gewisse Freiheiten, insbesondere ökonomische - auch in der DDR, als deren "Insasse" sich der nie inhaftierte Gauck stilisiert.
Für Scharade bewies Gauck durchaus Begabung: Seinen Glauben bezeichnete der Theologe nicht ohne Chuzpe als "Wahrheit", obwohl die Nachrichtenlage über Begebenheiten, die mehr als 2.000 Jahre zurückliegen, vergleichsweise schwach ausfällt. Das vor Glauben schützende Wissen wurde bis vor wenigen Jahrhunderten nahezu vollständig von den Kirchen kontrolliert - dem Monopol an Herrschaftswissen einer Stasi-Unterlagenbehörde insoweit nicht unähnlich.
Gaucks Rolle als einfacher Pfarrer reichte dem unterforderten Komödianten jedoch nicht, vielmehr stieg er in der Hierarchie auf und brachte es zum Leiter des evangelischen DDR-Kirchentags. Während böse Zungen Gauck eine Stasi-Kooperation andichteten, hatte der Gottesmann, soweit bekannt, insoweit im Großen und Ganzen die Hygiene gewahrt, lediglich für den Kirchentag hatte er sich eher diplomatisch mit dem MfS koordiniert. Gegen Geheimdienste, die den politischen Gegner bespitzeln, hat Gauck grundsätzlich jedoch nichts einzuwenden und findet nichts dabei, wenn der Verfassungsschutz demokratisch gewählten Bundestagsabgeordneten hinterher spioniert.
"Der Bürgerrechtler"
Eine neue Rolle Gaucks war die eines "Freiheitskämpfers" - die allerdings erst zur Aufführung gelangte, als die Messe schon gelesen war. Zwar hatte der Pfarrer durchaus ab und an ein deftiges Wort zur Staatsführung fallen lassen, was unter dem Schutzmantel der Kirche nur begrenzt als Heldentat durchgeht. In den wirklich Regime-kritischen Gruppierungen etwa der 80er Jahre jedenfalls war der Freiheitskämpfer" nie gesehen worden. Und das war wohl auch ganz gut so, denn diese Leute mussten konspirativ kommunizieren, was Gauck bekanntlich ein Gräuel ist. Auch das MfS, das den DDR-Kirchenapparat durchsetzt hatte, ging 1989 nicht von ernsthaften Karriereambitionen des Kabarettisten aus. Die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, die für ihre Überzeugung zweimal den Stasi-Knast Hohenschönhausen absolvierte und das Neue Forum gründete, hielt von den Kirchenleuten in der DDR rückblickend nicht allzu viel, fühlte sich vom damaligen evangelischen Kirchenfürsten Stolpe und ihrem damaligen Anwalt Gysi, Sohn des Staatssekretärs für Kirchenfragen, sogar verraten. Wenn es drauf ankam, so war mit der Kirche wohl kein Staat (kaputt) zu machen.
Prediger Gauck bewies einen so großen Humor, dass er im Oktober 1989 diejenigen, welche aus der DDR geflüchtet waren, als "Hoffnungslose" bezeichnete, und plädierte staatstragend für ein Bleiben im Arbeiter- und Bauernstaat. Wenn Gauck demnächst als Präsident den Mauertoten gedenkt, werden ihm die Redenschreiber vermutlich andere Worte empfehlen. Während die "Hoffnungslosen" den Mut bewiesen, ihre Heimat und Existenz aufzugeben und Strafe riskierten, legte der Pfarrer brav die Hände in den Schoß, in den ihm so manches fallen sollte. Stattdessen predigte der Mann mit Sinn für beißende Ironie während des Mauerfalles ausgerechnet vom Propheten Amos, der das Verhalten von Großgrundbesitzern gegen abhängig arbeitende Arme, Verschwendung, Betrug, Heuchelei, Bestechung, Ungerechtigkeit und Unterdrückung gegenüber den Armen kritisierte. Ähnliches hatte man von den Kommunisten gehört, die Gauck so sehr hasste. Die Vorstellung, Gauck hätte später seinen reichen amerikanischen Freunden auch vom Propheten Amos gepredigt, strapaziert die Fantasie selbst hartgesottener Kenner grotesken Kabaretts.
Karrieredurchbruch
Im Oktober 1989 also hatte Kirchenfürst Gauck gerade noch rechtzeitig zum schließlich 200.000 Mitglieder zählenden "Neuen Forum" gefunden, bevor im November die Mauer fiel. Der Kabarettist hat die friedliche Revolution weder initiiert, noch getragen - sondern im Gegenteil sogar beendet. Bevor Pfarrer Gauck wieder in der Bedeutungslosigkeit eines regionalen Kabarettisten verschwand, setzte er sich im rechten Zeitpunkt auf den Saum des Mantels der Geschichte und schleifte über einen Listenplatz des Neuen Forums in die Volkskammer. Schon früh interessierte sich der Opportunist für den wohl wertvollsten Schatz, den Ost-Berlin zu bieten hatte: das Stasi-Archiv, das neben Spitzelberichten über die DDR-Bürger und deren Bereitschaft zur Denunziation vor allem ein gigantisches Wissen über westliche Politiker, Wirtschaft und Geheimdienste bot. Allenfalls im Geheimarchiv des Vatikans dürften brisantere Geheimnisse schlummern. Ehrensache, dass der protestantische Kirchenmann zur Konkurrenz aufschloss und sich zum Gatekeeper und Man-In-The-Middle der mächtigen Datenbank des laizistischen Ex-Staats bestellen ließ. Für diese neue Aufgabe legte Gauck nicht nur die Rolle als Volkskammer- bzw. Bundestagsabgeordneter ad acta, er nahm sich auch die Freiheit, seine überflüssig gewordene Figur des "Herrn Pfarrer" aus dem Programm zu streichen, denn die Kirche hatte als Sprungbrett ihre Schuldigkeit getan.
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http://tvthek.orf.at/programs/1283-Club-2 Griechenland: Pleite trotz Milliardenhilfe?
Wie wirkungsvoll sind die europaweiten Sparpakete überhaupt? Oder führen die Sparmaßnahmen Griechenland gar direkt in die Pleite? Das von der Staatspleite bedrohte Griechenland kommt von seinem Schuldenberg nicht herunter. Das bisherige Hilfsprogramm hat die Situation eher verschärft. Arbeitslosigkeit und Massenverarmung sind Folgen des Sparkurses. Löst das heute beschlossene Rettungspaket mit 130 Milliarden Euro das Problem? Oder führen die damit verbundenen Sparmaßnahmen Griechenland direkt in die Pleite? Hilft nur noch der Ausstieg aus dem Euro? Und wie wirkungsvoll sind die europaweiten Sparpakete überhaupt? Darüber diskutieren bei Corinna Milborn: Heiner Flassbeck Wirtschaftswissenschafter Kostas Argyros TV-Moderator, griechisches Fernsehen Eva Pichler Ökonomin, WU Wien Sonja Puntscher-Riekmann Politologin Michael Hörl Wirtschaftspädagoge, Autor des Buches „die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute" Joanna Kourela Freiberuflerin, Griechenland
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